Leitwort
„Dampf in der sozialen Maschine“
Die Caritas in der Erzdiözese Freiburg veröffentlicht Eckpunkte für eine armutsorientierte Arbeit
Armut hat viele Gesichter. In Deutschland sind das weniger die vom permanenten Überlebenskampf gezeichneten und vom Hunger ausgemergelten Antlitze als vielmehr die traurigen, frustrierten oder gar resignierten Mienen der sozialen Ausgrenzung. Und solche gibt es zunehmend mehr in Baden-Württemberg und es gibt sie auch in unserer Stadt Baden-Baden – wenn man sie denn sehen und wahrnehmen will. Eine klare „Sehhilfe“ bietet jetzt die Caritas in der Erzdiözese Freiburg mit einem Papier, das mit „Dampf in der sozialen Maschine“ überschrieben ist und Eckpunkte für die armutsorientierte Arbeit des Wohlfahrtsverbandes liefert.
Der Titel ist programmatisch: „Dampf in der sozialen Maschine“ zu sein benannte der Begründer der verbandlichen Caritas, Lorenz Wertmann, als deren erste Aufgabe. Dabei ging es ihm vor allem um praktische Unterstützung und politische Anwaltschaft für die Armen und Ausgegrenzten, denen sich die Caritas in besonderer Weise verpflichtet weiß. Es gilt den Blick auf arme Menschen zu sensibilisieren – Diskriminierungen entgegen zu treten – Solidarität zu stärken.
Auch wenn in Baden-Baden kaum absolute Armut im Sinne eines täglichen Überlebenskampfes anzutreffen ist, so gibt es doch Menschen, die von relativer Armut betroffen sind. Das sind Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer, die deutlich weniger materielle und nicht-materielle Güter wie Bildung, soziale Netzwerke und Entscheidungsmöglichkeiten haben als der „Mainstream“ der Gesellschaft und deshalb in ihren Lebenschancen beschränkt sind.
Bendenken wir, dass in unserer Stadt etwa 4.400 Menschen von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) oder Grundsicherung leben und dann dazu wohl noch eine nicht bekannte Anzahl von Kleinstrentnern und Geringverdienern kommt, dann betrifft materielle Armut in Baden-Baden fast 10 Prozent der Bevölkerung und hat auch bei uns viele Gesichter.
Damit die Schere zwischen „Verlierern“ und „Gewinnern“ der tiefgreifenden wirtschaftlichen Veränderungsprozesse nicht noch weiter auseinandergeht, braucht es vielfältige praktische Unterstützungsangebote für die Betroffenen. Es braucht aber auch eine aktiv gestaltende Sozialgesetzgebung und gerechte Sozialpolitik.
Die Caritas will „Dampf“ machen. Es geht darum, das fachliche Profis und ehrenamtlich engagierte Bürger ebenso gefragt sind wie die Kirche vor Ort, die Betroffenen selbst ebenso wie die Sozialpolitik und die Wirtschaft, Selbsthilfegruppen ebenso wie Sponsoren.
In Baden-Baden ist das recht gut umgesetzt. Aber alles kann immer noch besser werden.
Der Caritasverband sieht es auf allen Ebenen, also auch konkret vor Ort, als seine Aufgabe an, das Grundrecht auf ein menschenwürdiges Existenzminimum zu sichern, Wohnen als Menschenrecht zu verwirklichen, die Teilhabe an Bildung und sinnstiftender Arbeit zu befördern, den Zugang zu Gesundheits- und Pflegeleistungen zu gewährleisten, die gesellschaftliche Teilhabe zu sichern und den sozialen Zusammenhalt zu stärken.
Und dazu brauchen wir viele Unterstützer und Helfer.

Ihr
Jochen Gebele
Geschäftsführer
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